Johann Jakob (I) Bachofen-Strub (1701-1784) begründete den Wohlstand seiner Familie. Nach einer Anstellung in einem Augsburger Handelshaus nahm ihn der Schwiegervater Martin Strub zum Teilhaber in seine Basler Seidenbandfabrik an der Petersgasse im Haus zum «Friedhof» auf. Nach dem Tod seines Schwiegervaters führte Johann Jakob (I) das Unternehmen unter dem Namen «J. J. Bachofen & Sohn» weiter. Er bildete auch den Grundstock der Familienkunstsammlung, indem er ein erstes kleines Kabinett vornehmlich mit Bildern zeitgenössischer Künstler anlegte.
Johann Jakobs (I) Sohn Martin Bachofen-Heitz (1727-1814) baute den väterlichen Fabrikationsbetrieb mit viel Geschick weiter aus. Er verlegte den Wohnsitz und die Fabrikgebäude von der Petersgasse auf den Basler Münsterplatz. Dazu erwarb er den Rollerhof samt Nebenhaus sowie den Schürrhof und den Reinacherhof. Den Rollerhof liess er vom Baumeister Johann Jacob Fechter (1717-1797) zum eleganten «Hôtel» umbauen. Die Zimmer dieses äusserlich eher schlichten Hauses enthielten einst köstliche Seiden- und Ledertapeten sowie Möbel, die Martin aus Frankfurt, Strassburg, Colmar, Konstanz, Montbéliard und Paris zusammengetragen hatte. An Ort erhalten geblieben sind jedoch nur die wunderbaren Stuckdecken mit ihrem zierlichen Rocaillewerk.
Um auch ausserhalb der Stadt das «adeliche» Landleben und die Jagd geniessen zu können, liess Martin vom Baumeister Daniel Büchel (1726-1786) nach Plänen des Architekten Samuel Werenfels (1720-1800) das Landhaus Ebenrain bei Sissach errichten. Der Gebäudekomplex war ursprünglich in einen spätbarocken Terrassengarten eingebetet, dessen Ausgestaltung der Berner Architekt Niklaus Sprüngli (1725-1802) übernommen hatte.
Johann Jakob (II) Bachofen-Burckhardt (1755-1828), der als einziger von Martins drei Söhnen das Erwachsenenalter erreichte, übernahm 1795 die väterliche Fabrik und leitete sie trotz politischer Wirren mit viel Geschick und Glück. Daher konnte er 1811 den Wendelsdörfer Hof, auch «Weisses Haus» genannt, des Architekten Samuel Werenfels (1720-1800) als neuen Wohnsitz erwerben. Johann Jakob (II) erweiterte darüber hinaus den landwirtschaftlichen Familienbesitz und kaufte unter anderem das Homburger Schlossgut und den Lauwylerberg.
Insbesondere seiner Verbindung zum Pariser Kunsthändler Peter Schröcker, der wiederum zum Direktor Le Brun der napoleonischen Museen regen Kontakt unterhielt, verdankte er einen bedeutenden Ausbau der ererbten Bildersammlung. Von seinen zahlreichen Erwerbungen befinden sich heute einige schöne Werke in unserer Stiftung, wie etwa Schlittenfahrt von Nicolaes Berchem, Die Taufe des Kämmerers von Salomon Koninck, Zwei Kinder am Fenster von Jan Tielius, Bildnis eines Jägers von Hyacinthe Rigaud & François Desportes, zwei Berneroberländer Landschaftsbilder von Johann Ludwig Aberli oder Landschaft mit Wasserfall von Jacob van Ruisdael, das Johann Jakob (II) jedoch fälschlich dem Maler Allart van Everdingen zuschrieb.
Johann Jakobs (II) einziger Sohn Johann Jakob (III) Bachofen-Merian (1788-1876) trat 1814 zusammen mit seinen beiden Schwägern als Teilhaber in die Bachofensche Bandfabrik ein. Daneben machte er sich auch als Bauherr einen Namen. Er kaufte 1825 die «Domprobstei» am St. Alban-Graben und liess an ihrer Stelle vom Architekten Melchior Berri (1801-1854), dem Gestalter des «Basler Dyblis», einen klassizistischen Neubau errichten, in dem heute das Antikenmuseum Basel untergebracht ist.
Entgegen der chronologischen Reihenfolge sollen hier dem besseren Verständnis halber zuerst die beiden jüngeren Söhne Johann Jakobs (III) besprochen werden. Carl Bachofen-Burckhardt (1817-1909), der zweite Sohn von Johann Jakob (III) habe über einen ungewöhnlich regen Geist und ein ausgezeichnetes Gedächtnis verfügt. Nach seiner Lehre und Ausbildung in Paris und London trat er als Teilhaber in die väterliche Seidenbandfabrik ein. Mit seiner Familie wohnte Carl in der «Domprobstei» und verbrachte die Sommer im Landhaus «Nauenrain». Von dem einst so idyllischen Sommersitz ist heute leider nur noch der Name einer alles andere als ländlich anmutenden Strasse – der Basler Nauenstrasse – übrig geblieben.
Wilhelm Bachofen-Vischer (1825-1885) war der jüngste Sohn von Johann Jakob (III). Nach der Lehre und einer Tätigkeit in einem befreundeten New Yorker Geschäftshaus trat auch er als Teilhaber in das Familienunternehmen ein. Ihm fiel durch Erbschaft neben einem Anteil an der Bachofenschen Gemäldegalerie auch das «Weisse Haus» als Wohnsitz zu. Die Sommertage verbrachte er mit seiner Familie hingegen in der historistischen Villa St. Jakob des Architekten Johann Jakob Stehlin des Jüngeren (1826-1894) an der St. Jakobstrasse 191. Wilhelm soll einen ausgeprägten Sinn für alles Schöne besessen haben und ein großer Naturfreund und Kunstliebhaber gewesen sein.
Mit dem Tod von Johann Jakob Wilhelm Bachofen-Burckhardt (1853-1906), dem Sohn Wilhelms und letzten Inhaber, endete schliesslich nach mehr als 180 jährigem Bestehen die Geschichte der Bachofensche Seidenbandfabrik.
Nach dem Tode ihres Gatten und ihres Sohnes stiftete Maria Margaretha Bachofen-Vischer (1833-1919) zu deren Andenken dem Historischen Museum Basel eine aussergewöhnliche Uhrensammlung, die aus 267 Uhren – hauptsächlich Hals- und Taschenuhren des 16. bis 19. Jahrhunderts – besteht. Dieses Legat bildet heute den Grundstock der international renommierten Uhrensammlung des Museums.
Johann Jakob (IV) Bachofen-Burckhardt (1815-1887) – der älteste Sohn Johann Jakobs (III) – überließ die Bandfabrik seinen beiden Brüdern Carl und Wilhelm und wandte sich als Einziger seines Geschlechts den Wissenschaften zu. Er studierte Jurisprudenz in Basel, Berlin, Göttingen, Paris und Oxford. Von 1841 bis 1843 war er Professor für römisches Recht an der Universität Basel. Später wendete er sich jedoch von der Lehre ab und widmete sich als Privatgelehrter ganz der Forschung. Dabei stand er in Kontakt mit Persönlichkeiten wie dem Kulturhistoriker Jacob Burckhardt (1818-1897) und dem Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900).
Johann Jakobs (IV) heute wohl bekannteste Publikation ist «Das Mutterrecht». Zu seinen Forschungszwecken legte er auch eine Sammlung von Vasen, Grablampen und anderen archäologischen Kunstgegenständen an. Diese 924 Objekte umfassende Kollektion befindet sich heute als Schenkung im Antikenmuseum Basel.
1865 heiratete er Louise Elisabeth Burckhardt (1845-1920) und liess sich mit ihr im alten Deutschritterhaus in der Rittergasse nieder. Als Sommersitz erwarb das Ehepaar das Landgut Gundeldingen, das vom Architekten der Basler Elisabethenkirche, Christoph Riggenbach (1810-1863), an der Stelle eines ehemaligen Weiherschlosses erbaut worden war. Nur der Strassenname «Bachofenstrasse» erinnert heute noch an das einstige, neogotische Gebäude.
Als neuen Wohnsitz und geeigneten Ort zur Unterbringung ihrer Kunstsammlung erwarb das Ehepaar Bachofen-Burckhardt 1870 das Haus zur «St. Johann Kapelle» am Münsterplatz, das ebenfalls von Christoph Riggenbach entworfen worden war. Die romantische Kunstauffassung und die Begeisterung für das Mittelalter und die Renaissance scheint das Ehepaar Bachofen-Burckhardt mit Riggenbach geteilt zu haben. Diese gemeinsame Vorliebe spiegelt sich insbesondere auch in den zahlreichen Bilderanschaffungen von Louise Elisabeth wider.
Der einzige Sohn Johann Jakob (V) Bachofen-Petersen (1865-1904) verstarb in relativ jungen Jahren, ohne einen Stammhalter zu hinterlassen. Aus seinem Besitz stammt der prächtige Minervaschlitten, den wir heute im Kutschenmuseum des Historischen Museums Basel bewundern können.